Cloud oder nicht Cloud – das ist hier die Frage

Während in anderen Ländern das Thema Cloud Computing schon lange „durch“ ist und sich entsprechende Services auf breiter Front auch in der Geschäftswelt etabliert haben, gibt es in Deutschland weiter eine hitzige Diskussion zwischen Cloud-Befürwortern und Cloud-Skeptikern. Und so ist es kein Wunder, dass Deutschland – wie eine Eurostat-Umfrage im letzten Jahr ergab – es bei der Cloud-Nutzung im internationalen Vergleich gerade einmal in das untere Drittel der Rangliste schafft.

Auf der anderen Seite vermeldete der im März 2015 vorgestellte Bitkom Cloud Monitor zum ersten Mal eine Trendwende. Auf die Frage: „Wie steht Ihr Unternehmen generell zum Thema Cloud-Computing?“ antworteten 40 Prozent der befragten 458 Geschäftsführer und IT-Verantwortlichen in deutschen Unternehmen ab 20 Mitarbeitern mit „eher aufgeschlossen und interessiert“, während sich nur noch 35 Prozent als „eher kritisch und ablehnend“ zeigten. Im Jahr zuvor hatte es noch ein „Patt“ der beiden Lager gegeben, zwei Jahre zuvor war der Vergleich noch mit 44:35 (%) deutlich zu Gunsten der Cloud-Skeptiker ausgefallen.

„German Angst“ als Hauptgrund für Cloud Computing-Skepsis

Die Gründe für die Zurückhaltung vieler deutscher Unternehmen beim Thema Cloud Computing – da sind sich die Marktbeobachter einig – liegen vor allem in den Bedenken bei Datenschutz und Datensicherheit. Das Fachportal CloudComputing Insider geht sogar noch einen Schritt weiter und nennt das Phänomen der „German Angst“ als Hauptgrund. Während angelsächsische Länder und viele asiatische Nationen ihre Daten munter in alle möglichen Wolken verschieben, hätten hierzulande gerade mal die „privaten Clouds Hochkonjunktur” erklärt das Portal und definiert die „German Angst” als „Angst vor allem Neuen, als Resultat denken und handeln Menschen tendenziell konservativ.”

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Ob man gleich soweit gehen möchte wie CloudComputing Insider und ein gesamtgesellschaftliches Phänomen als Grund für Cloud Computing-Vorbehalte in deutschen Unternehmen anführt, sei einmal dahingestellt. Tatsache ist: Deutschland ist in den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit Vorreiter und verfügt über die weltweit strengsten Vorgaben und Gesetze. Und genau an diese Vorgaben und Gesetze müssen sich deutsche Unternehmen – zumindest, solange es keine EU-weit einheitlichen Regelungen gibt – auch halten. Und deshalb geht es auch nicht darum, sich gegen oder für Cloud Computing zu entscheiden, sondern sich stattdessen darüber Gedanken zu machen, wie man die in vielen Bereichen nachweisbaren Vorteile des Einsatzes von Cloud Services wie höhere Agilität und Flexibilität nutzen kann, ohne sich für den Gefahren und Risiken „fürchten“ zu müssen.

Ein erster wichtiger Schritt ist dabei die Auswahl des Cloud Computing-Anbieters. Die wichtigsten Fragen, die sich der zukünftige Cloud Service-Nutzer dabei stellen sollte, sind:

  • Kennt der Anbieter die speziell in Deutschland geltenden Datenschutz- und Datensicherheitsbestimmungen und ist er in der Lage, diese Bestimmungen zu erfüllen?
  • Wo liegen die mit dem Cloud Service verarbeiteten Daten und wer hat in welcher Form darauf Zugriff?
  • Was passiert mit den Daten, wenn der Cloud Service abbestellt wird?
  • Wie sieht die Backup- und Disaster Recovery-Strategie des Cloud Service Providers aus?

Darüber hinaus ist es für den Cloud Computing-Anwender natürlich wichtig, auch innerhalb der Cloud-basierten Anwendung selbst über die entsprechenden Management- und Kontrollfunktionen zu verfügen, die ein Maximum an Datenschutz und Datensicherheit gewährleisten. Dies beginnt bei der Vergabe von Zugriffsrechten für unterschiedliche Benutzerrollen und geht über die Verschlüsselung der Daten und die Versionierung (wer hat was wann an einem Dokument geändert?) bis hin zum „Sperren“ von Dokumenten für spezielle Funktionen wie zum Beispiel „Öffnen mit“ oder dem Herunterladen auf lokale Festplatten.

Cloud oder nicht Cloud – das ist hier NICHT WIRKLICH die Frage

Der Bitkom Cloud Monitor unterstreicht einen allgemeinen Trend „pro Cloud“, doch stellt er sicher nicht die aktuelle Marktsituation dar. Denn unabhängig von der „German Angst“ haben sich cloudbasierte Lösungen in vielen Unternehmen auch hier in Deutschland schon längst etabliert. Dies gilt insbesondere in den Bereichen Enterprise Filesharing und Collaboration, also Bereichen, in denen orts-, zeit- und endgeräteunabhängiger Zugriff auf Daten und Dokumente eine besondere Rolle spielen.

Gerade in diesen Bereichen gibt es mittlerweile auch auf Anbieterseite eine ganze Reihe von Anbietern, die die Anforderungen ihrer Kunden in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit ernst nehmen und ihnen die entsprechenden Management- und Kontrollfunktionen an die Hand geben. Ein gutes Beispiel dafür sind die Lösungen der Firma Oodrive für den sicheren Datenaustausch in Unternehmen.

Fazit: Es geht schon lange nicht mehr um die Frage Cloud oder nicht Cloud – sondern vielmehr um die Frage, wo Cloud-basierte Lösungen Vorteile gegenüber traditionellen On-Premise-Lösungen bieten und wie diese Cloud-basierten Lösungen konzipiert sein müssen, um die Anforderungen deutscher Unternehmenskunden zu erfüllen.